Lollar/14.02.2025: Das Café „Bück-dich“ – Der Name sei keineswegs anzüglich zu verstehen, erklärte Henrich Dörmer bei seiner Premierenlesung zu „Marienglas“, seinem siebten Kriminalroman. Gemeint sei vielmehr der Umstand, dass die Kundschaft den Kopf einzuziehen hatte, um unter dem niedrigen Türsturz in das Kaffeehaus am Seltersweg zu gelangen. Das „Bück-dich“, mit dem die Gäste das eigentliche Café Huber in der Gießener Innenstadt bezeichneten, ist längst in Vergessenheit geraten, ebenso die Straßenbahn oder das Lichtspieltheater, das sich fußläufig davon befand und in dem cineastische Stummfilmlegenden vorgeführt wurden, so z. B. Fritz Langs Monumentalfilm „Metropolis“. Damals – das waren die Goldenen Zwanziger Jahre. Henrich Dörmer hat sich mit seinen im Selbstverlag publizierten Kriminalromanen auf diese turbulente wie widersprüchliche Zeit kapriziert. Anlässlich seiner Premierenlesung in der Stadt- und Schulmediothek an der CBES in Lollar las der in Lich beheimatete Autor aus „Marienglas“ und traf auf einen ausgebuchten Lesesaal. Zum Einstieg überraschte Dörmer das Publikum mit einer szenischen Einlage. Sich auf den Stufen an der Leseschnecke postierend, gab er Skurriles aus der historischen Ausgabe des Gießener Anzeigers vom 21. Mai 1928 zum Besten, der Ausgabe also, die direkt nach der Reichstagswahl erschien. Es habe ihn selbst fasziniert, wie Zeitungsinhalt und Handlung zusammenpassten. Zumeist sei das so gar nicht geplant gewesen, erklärte Dörmer und kommt zum Schluss: „Das fliegt einem dann so zu“. Apropos „fliegt einem so zu“! Die Inspiration für seinen mit dem Kloster auf dem Schiffenberg verbandelten Krimi „Marienglas“ lieferte die zufällige Begegnung mit einem Gemälde, so erzählte der Autor dem Publikum, das am Ende reichlich Applaus spendete.


