Bericht über die Wanderfahrt der DaF Gruppen in den Frankfurter Zoo

 Von Dr. Tilmann Kammler

DSC 0003Kurz vor den Osterferien stand für alle 60 Schülerinnen und Schüler, zumeist junge Flüchtlinge, der drei DaF-Klassen ein erfreulicher Ausflug an. Morgens um 9.00 Uhr sind wir von Lollar nach Frankfurt abgefahren, um dort den berühmten Zoo zu besuchen. Die Schüler stammen aus dem Nahen Osten (Syrien, Irak, den Kurdengebieten beider Länder), aber auch aus Afghanistan, Russland, Moldawien, dem Balkan, Iran und Pakistan, sowie auch aus den USA und aus Nord- und Zentralafrika. Schon vor der Abfahrt in Lollar waren die Schüler aufgeregt und sehr gesprächig, sie sangen und freuten sich sichtlich über dieses Event. Da die Schüler weitgehend als Flüchtlinge die CBES besuchen und aus verschiedensten Herkunftsländern den Weg nach Lollar fanden, war dieser Besuch in mehrfacher Hinsicht ein integratives Moment, das die pädagogische und didaktische Arbeit positiv verstärkte.

Bereits die einstündige Anfahrt auf der vielbefahrenen Autobahn erlebten viele Schüler als interessant. Gesprächsstoff in der stark heterogenen Gruppe waren Autos, Landschaften und natürlich die Dauer, bis man endlich im heißersehnten Zoo ankommt. Viele Lerninhalte, die den Schülern vorab im Unterricht nahgebracht wurden, fanden so bereits während dieser Phase des Ausflugs praktische Anwendung. (woher/aus kommt dieses Auto, wohin/nach geht es ..., wie lange fahren wir noch?)


Im Zoo konnten die Schüler die während des Unterrichts mit dem Lehrwerk „Deutschmobil“ erlernten Inhalte und erworbenen sprachlichen Kompetenzen kontextualisieren bzw. den praktischen Lebensweltbezug unmittelbar erfahren und erleben. So bieten viele Aufgaben im DaF-Lehrwerk „Deutschmobil“ Bezüge zum Zoo, wie er früher war und heutzutage ist, zu Zirkus-Vorstellungen, der Tierwelt in Umwelt und Natur, da diese eine universelle Wertschätzung in fast allen Kulturen besitzen. Steigerungsformen von Adjektiven werden im Lehrwerk anhand verschiedener Tierarten verdeutlicht und konnten während es Zoobesuchs lebensweltlicher Entsprechung zugeführt werden. Auch die Bestimmung von Tageszeiten zwecks Vereinbarung von Treffpunkten und Abfahrtszeiten erlangten eine tragende Bedeutung für diesen Ausflug. Ebenso die oft im Unterricht geübte Fähigkeit, sich im Zahlenbereich bis 100 zurechtzufinden und diesen sprachlich einwandfrei zu beherrschen wurde nun für die Schüler relevant, um Souvenirs im Zoo-Shop zu erwerben oder Getränke und Speisen zu bezahlen.


DSC 0075In kleinen Schülergruppen gingen die Schüler auf die Suche nach Tieren aus ihrem Lehrwerk und auch nach Tieren, die ihnen aus ihrer Heimat bekannt waren und stellten diese den anderen Schülern vor. Die damit verbundene Anerkennung erlebten die Flüchtlingskinder sichtlich stolz und es motivierte sie, sich sprachlich angemessen und präzise mitzuteilen, damit sie ihre Erlebnisse eindrücklich vermitteln konnten.
Besonderer Beliebtheit erfreute sich das Löwen-Haus, da dieses mit einem Besucher-Infotainment-System versehen war, das es dem Besucher ermöglichte, die unterschiedlichen Laut-Rufe des Löwen anzuhören, die von Löwen als Signale für Drohungen, Lock- und Warnrufe eingesetzt werden. Lachend und sichtlich stolz vergegenwärtigten sich vieler der Schüler ihrer seid der Ankunft in Deutschland erlangten Mehrsprachigkeit und des bereits erworbenen Wissens über ihr neues Zuhause in Deutschland und ihre Kompetenz in der Bewältigung von Alltagssituationen.
Insgesamt kann dieser Ausflug aus pädagogisch-didaktischer Sicht als wertvolle Erfahrung verbucht werden, denn die Schüler erlebten das in der Schule doch weitgehend abstrahierte Deutungs- und Orientierungswissen als bedeutsam und lebensweltbezogen. Auch der Zusammenhalt untereinander und die Aufmerksamkeit der Schüler füreinander in dieser neuen Umgebung der Rhein-Main Metropole war ein tolles Erlebnis für die Schüler und die betreuenden Lehrer.