Auch deutsches Heimatlied aus Russland zurückgebracht

musikabend2015TRIALOG-WETTBEWERB Interkulturelles Begegnungskonzert mit vielfältigen Beiträgen an Clemens-Brentano-Europa-Schule / Gefördert von Herbert-Quandt-Stiftung

LOLLAR (sl). Als Fortsetzung des „Trialogs der Kulturen“ war das „Trialogische Musikfestival“, ein Begegnungskonzert der Kulturen an der Clemens-Brentano-Europaschule (CBES) gedacht. „Mit Musik kann man nicht nur Menschen, sondern alle Kulturen zusammenführen“, erklärte Hartmut Reyl, der die Moderation übernommen hatte, bei der Begrüßung der Zuhörer, die trotz brütender Hitze in die Aula der Schule gekommen waren. Er nannte es einen „besonderen Tag, dass wir uns heute hier zusammenfinden, denn es sind viele verschiedene Sprachen, die wir hören werden“.

Zuerst konnte er die jungen Leute des multikulturellen Zupforchesters (MuKuZupf) auf die Bühne bitten. Dies ist ein gemeinsames Projekt der Musikschule Busecker Tal und der Grundschule Lollar. Die Kinder unter Leitung von Andreas Jourdan spielten Instrumente aus ihrer Heimat. Da war eine Bassgitarre zu hören, mehrere Gitarren stimmten ein, und auch die Baglama beteiligte sich an dem Vortrag. Der deutsch-russische Singkreis „Silberklang“, der unter Leitung von Irene Richter steht, brachte Lieder in russischer, kasachischer und deutscher Sprache. „Wir kommen alle aus der ehemaligen Sowjetunion“ erfuhren die Anwesenden von Tamara Schulz, und auch, dass sich die Gruppe vor zehn Jahren zusammengefunden hatte, um zu singen. Das erste war ein Liebeslied, das in kasachischer Sprache vorgetragen wurde. Dann folgte ein russisches Volkslied. „Das folgende Lied haben unsere Vorfahren mit nach Russland genommen, wir bringen es wieder zurück „ sagte sie, als der Chor „Heimat wie bist du so schön“ anstimmte. Irene Richter und Michael Neckaev gefielen darauf im Duett. Als Abschluss durfte natürlich „Kalinka“ nicht fehlen, wobei die Zuhörer begeistert mitgingen. „Jazz and friends“ brachten darauf Klezmer, „Bei mir bist du scheen“ und Jazz aus den sechziger Jahren, bei dem Reyl am Harmonium, Alexander Hock am Schlagzeug und Rolf Steubing am Kontrabass zu gefallen wussten. Der Gospelchor der CBES unter Helmut Dietrich beteiligte sich. Kurdischer Ethnopop mit Nasir Elen war ebenso zu hören wie die Streicher AG, die von Katrin Burian geleitet wird. Cello und Geige vereinten sich musikalisch mit der Orchester AG, der Alexander Hock vorsteht. Dann wurde es wieder temperamentvoll, als sich die CBES-Bigband und die Orchester-AG die Bühne eroberten. „Fluch der Karibik“ und weitere Musik aus Film und Fernsehen begeisterte die Zuhörer. Und mit Beifall wurde auch die Kulturgruppe „Die Welt“ der Arbeiterwohlfahrt-Jugendhilfe Gießen, eine Trommelgruppe der Flüchtlingshilfe unter Leitung von Näder Madjidian empfangen. Sie spielten dann abschließend noch zusammen mit dem Gospelchor der CBES-Big-band und viele sangen begeistert mit „It's a long way“. Abschließend dankte Reyl der Trialog-Projektgruppe um Michael Kühn, die die Idee zu diesem Musikfestival hatte, aber auch der Quandt Stiftung für ihre Förderung.

(Gießener Anzeiger, 24. Juli 2015)

Rabenauer und Treiser willkommen

Allendorf/Lumda (pad). Leidenschaftlich haben die Allendorfer um den Erhalt ihre Gesamtschule gekämpft. Und zumindest bleibt Allendorf Schulstandort, wenn auch ab 1. August ein anderer Name an der Fassade hängen wird: Clemens-Brentano-Europaschule. Kurz bevor Schulleiter Klaus-Dieter Gimbel die Schule verlässt, legte er den Stadtverordneten noch einmal die Zahlen zur Entwicklung vor.

In der kommenden fünften Jahrgangsstufe haben sich 55 Schüler angemeldet. Man konnte sechs neue Schüler aus der Rabenau gewinnen - vielleicht eine kleine Trendwende. Denn nachdem Allendorf G8 eingeführt hatte, waren viele Schüler der Rabenau nach Grünberg an die integrierte Gesamtschule gegangen, wo es nur G9 gab. Dieser Trend hielt auch nach der Rückkehr zu G9 an der Gesamtschule Lumdatal an, da oft bereits Freunde und Geschwister den Unterricht in der Gallusstadt besuchten.

Die Schüler aus Treis habe man sich bisher fast hälftig mit der CBES in Lollar geteilt, sagte Gimbel weiter. Da es nun keine Konkurrenzsituation gebe, könne sich dies vielleicht auf die Schülerzahlen in Allendorf positiv auswirken. Bisher könne man jedoch auch mit den kleinen Klassengrößen von meist 18 Schülern punkten, da Lehrer in kleinen Gruppen besser auf die Bedürfnisse der Schüler eingehen könnten.

Hinzu kommt, dass man ein breiteres und erweitertes Unterrichtsangebot nun in Allendorf habe. In der Verbundschule könne man auf 150 Lehrer zurückgreifen. Fächer wie Holzarbeiten, Hauswirtschaft und Ernährungslehre sind wieder auf den Stundenplan. Allendorfer Schüler können zudem am Donnerstag am Nachmittagsangebot in Lollar teilnehmen, nur der Bustransfer müsse noch organisiert werden.

Auch der Frankreichaustausch bleibt weiterhin erhalten. Dabei engagiert sich eine Lollarer Lehrerin, die auch in Allendorf unterrichten wird. Und nicht zuletzt: »Wir sind nun eine Schule mit Oberstufe.« Es werden in Allendorf alle Haupt-, Real- und gymnasialen Schulgänge angeboten.

Auch wenn es in Zukunft nur eine Schulleitung geben wird, soll es aber in Allendorf weiterhin möglich sein, etwa Zeugnisse beglaubigen zu lassen. Nach seinem Bericht dankten die Stadtverordneten Gimbel für seine Arbeit. Am Freitag wird er offiziell als Schulleiter verabschiedet.

 (Gießener Allgemeine, 23. Juli 2015)

Schüler kippen wegen Hitze um

Bundesjugendspiele in Lollar enden in einem Großeinsatz - Zehn Jugendliche im Krankenhaus

BJS2015 1Lollar (sha). Jede Menge Blaulicht, Dutzende Rettungskräfte, Notärzte und Sanitäter: Die Bundesjugendspiele der Clemens-Brentano-Europaschule (CBES) Lollar endeten am Mittwochmorgen abrupt - in einem Großeinsatz. Zehn Schülerinnen mussten wegen Kreislaufproblemen sicherheitshalber ins Krankenhaus gebracht werden. Der Grund: die Hitze. Viele Jugendliche hatten offenbar nicht genug getrunken.

Laut Polizei befanden sich rund 450 Schüler der Klassen 7 bis 10 auf dem Sportplatz am Rande der Kernstadt. Zwischen 8.30 und 9 Uhr wurde mit dem 800-Meter-Lauf begonnen. Zunächst sei eine Schülerin zusammengebrochen. Als kurz darauf ein weiteres Mädchen kollabierte, hätten die Lehrer den sportlichen Wettkampf sofort beendet und einen Krankenwagen gerufen, teilten Polizeibeamte mit. Im weiteren Verlauf klagten noch acht weitere Schülerinnen über Beschwerden und Unwohlsein. Zehn Rettungswagen eilten zum Lollarer Sportplatz. Dazu noch zwölf Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Lollar sowie Mitarbeiter der Notfallseelsorge. Insgesamt rund 70 Rettungskräfte versorgten die Betroffenen, kümmerten sich um herbeigeeilte Eltern und schickten die beschwerdefreien Schüler in den Schatten oder direkt nach Hause.

BJS2015 2Wie konnte es dazu kommen? Warum fanden die Bundesjugendspiele an einem Tag statt, an dem die Temperaturen laut Vorhersage die 30-Grad-Marke überschreiten sollten? Noch am Morgen seien die Bedingungen »normal« gewesen, unterstrich Andrej Keller, Leiter des Gymnasialzweiges der CBES, im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Temperatur sei mit 22 bis 24 Grad »okay« gewesen, und auch die Luftfeuchtigkeit habe sich »im grünen Bereich« befunden.

Um trotzdem auf Nummer sicher zu gehen, sei der 800-Meter-Lauf extra an den Beginn des Sportfestes gesetzt worden, erläuterte Keller. Außerdem habe die Schule kostenlos jede Menge Wasser und Bananen zur Verfügung gestellt. Mit einem Megafon hätten die Lehrer die Jugendlichen aufgefordert, ausreichend zu essen und zu trinken, berichtete Keller.

Vielleicht waren die Hitze und der zu geringe Wasserkonsum aber auch nicht die alleinigen Gründe: Keller berichtete von einer Theorie, die ein Notarzt vor Ort aufgestellt habe. Laut dem Mediziner waren viele der betroffenen Mädchen Zeugen der Tragödie, die sich am 1. Juli am Lollarer Waldschwimmbad ereignete: Damals war eine Autofahrerin in eine Menschenmenge gerast, ein 14-jähriges Mädchen starb (die GAZ berichtete). Der Notarzt habe vermutet, dass durch die vielen herbeigeeilten Rettungsfahrzeuge bei einigen Mädchen möglicherweise die Erinnerungen von damals wieder hochgekommen seien und so nach und nach immer weitere Schülerinnen Kreislaufbeschwerden erlitten.

Dr. Jörg Bremer, Leiter des Gesundheitsamtes beim Landkreis Gießen, sieht kein Fehlverhalten seitens der Schulleitung. Durch den frühen Start des Langstreckenlaufes sowie die bereitgestellte Verpflegung hätten die Verantwortlichen alles getan, um Kreislaufproblemen unter den Schülern vorzubeugen, betonte der Mediziner.

Keller schlägt dennoch vor, die Bundesjugendspiele bei einem späten Start der Sommerferien das nächste Mal in den September zu verlegen. Immerhin: Der 800-Meter-Lauf, der auch ein Spendenlauf zugunsten eines krebskranken Schülers war, erreichte seinen guten Zweck. Das Startgeld wurde vorab eingesammelt und die Spendenbereitschaft sei »sehr groß« gewesen, freute sich eine Lehrerin der CBES.

(Gießener Allgemeine, 23. Juli 2015)

Gemeinsame Sternstunden

Abschlussklassen der Gesamtschule Lumdatal verabschiedet

GSLAbschiedAllendorf/Lumda (skw). 60 Schüler der Gesamtschule Lumdatal (GSL) bekamen am Freitagabend ihre Abschlusszeugnisse im Bürgerhaus in der Kemstadt überreicht. Schulleiter Klaus-Dieter Gimbel zeigte sich stolz, dass von den vier Abschlussklassen alle Schüler den Abschluss geschafft haben.
Außerdem haben alle Schüler, die nun ihren Abschluss erworben haben, Ausbildungsstellen oder Plätze an weiterführenden Schulen.

In seiner Rede ging Gimbel noch einmal auf die abgewandte Schließung der GSL ein und sagte, dass die Verwaltungseinheit mit der Clemens-Brentano-Europaschule Lollar/ Staufenberg beschlossen wurde. Die GSL werde nun langfristig bestehen bleiben wird. Es war Gimbels letzte Rede, die er an der GSL gehalten hat. Im Schulverbund übernimmt die GSL-Leitung Dr. Barbara Himmelsbach von der CBES. Gimbel wird Schulleiter der Gesamtschule Gleiberger Land.

Für die Schüler meldete sich Gina Lieh zu Wort. Sie sagte, nun beginne für alle der Emst des Lebens. Es wäre nicht wichtig, gute Leistungen für die Eltern zu erbringen, sondern viel mehr den eigenen Weg zu finden und auf die innere Stimme zu hören. Außerdem sprach sie ihre Hoffnung aus, dass Freundschaften auch über die Schulzeit hinaus bestehen bleiben würden. Iris Devynck-Jungk sagte fürs Lehrerkollegium, der Weg mit den Schülern sei zwar oft nicht einfach gewesen, es hätte aber für alle immer wieder Stemstunden gegeben. Sie hoffe, dass die
Schüler immer jemanden haben, der sie auf dem Weg über die rauen Steine stützt.

Heiter wurde es bei den Darbietungen der Klassen. In einem Sketch gab sich der Hausmeister als Lehrer aus und gab den Eltern Tipps, wie diese ihre Kinder erziehen sollten. Außerdem gab es eine Akustik-Performance, in der die Schüler zeigten, dass man nur mit Münzen und Stiften Musik machen kann. Eine Tanz- und Gesangseinlage gab’s zu den Rhythmen von »Wake me up« von Avicii. Für die musikalische Untermalung des Abends sorgte Milana Wisotzki am Klavier.

Als Höhepunkt des Abends wurden die Klassenbesten von Gimbel und Wolfgang Blume geehrt. Mandy Sattler aus der H9d, Michelle Hyl und Gina-Maria Lieh, beide aus der RlOc, Luca Rösser aus der GlOa und Tim Korbächer aus der Gl Ob wurden für ihre herausragenden Leistungen ausgezeichnet. Sie bekamen zusätzlich zu ihren Zeugnissen und der Auszeichnung der Schule einen Buchgutschein überreicht.

(Gießener Allgemeine, 13. Juli 2015)

Ahmad Mansour an der CBES

»Ehrenmorde passieren in Indien ungleich öfter«

mansourLollar/Staufenberg (skw). Gerade in von Männern dominierten Gesellschaften ist »Ehre« ein wichtiger Begriff. Doch was bedeutet Ehre? Dieser Frage gingen am Donnerstag Mitarbeiter der Clemens-Brentano-Europaschule (CBES) nach. Gemeinsam mit dem Berliner Diplom-Psychologen Ahmad Mansour erarbeiteten sie zum Thema »Ehrbegriff bei muslimischen Jugendlichen« Hintergründe - und klärten, warum der Begriff oft mit Gewalt und Unterdrückung in Verbindung gebracht wird. Finanziert wurde der Vortrag im Rahmen des Schulwettbewerbs Trialogs der Kulturen der Herbert-Quandt-Stifung.

Gerade bei der Begriffsklärung gelte es, aufmerksam zu sein, sagte Mansour: Begriffe wie »Ausländer oder Türken« seien problematisch, denn es handele es sich um Deutsche, die oftmals zusätzlich eine weitere Sprache sprechen könnten. Ehrenmorde, die oft mit dem Islam in Verbindung gebracht würden, passierten ungleich öfter in Indien, das kein islamisches Land sei. Wie viele Vorurteile Menschen insgeheim hätten, käme an dieser Stelle zum Vorschein. Daher sei es wichtig, sich der eigenen Denkweise bewusst zu werden.

Mansour weiß, wovon er redet. Er ist arabischer Israeli und hat in Berlin Psychologie studiert. Er ist auch mit dem Ehrbegriff aufgewachsen und kann nachvollziehen, wie die Jugendlichen denken. Oft sei es ein Teil ihrer Identität, und sie versuchten auf diesem Weg, sich und ihre Familien zu schützen. In Berlin arbeitet er in einem Projekt, das unter dem Leitspruch »gegen die Unterdrückung im Namen der Ehre« steht. Ein Umdenken sei wichtig, und hier könnten sich die Jugendlichen gegenseitig unterstützen. (Foto: skw)

(Gießener Allgemeine, 11. Juli 2015)