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Die Welle gibt der Kanuschleuse das nötige Flair

k 20181113 102534Wie bereitet man Schülerinnen und Schüler eigentlich auf das vor, was sie in der Arbeitswelt erwartet? Welche Möglichkeiten der Vorbereitung bietet ihnen die Schule an?

Sinnvoll ist sicherlich eine Berufs- und Studienorientierung, die sich an dem stetig wandelnden Gesellschaftsprozess und ihren damit verbundenen Neuerungen orientiert. Die Berufsorientierung soll nicht eine Werkstatt für die Heranziehung angepasster und kritikloser junger Menschen sein, die lediglich später im Berufsleben funktionieren, sondern sie sollten dazu angeleitet werden, dass sie später verantwortungsbewusst und aktiv am gesellschaftlichen, beruflichen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben teilnehmen können. Auf Anregung des Schulleiters der Clemens-Brentano-Europaschule Andrej Keller konnte im Sommer 2018 eine Kooperation mit der Dr. Steinhoff Energieanlagen GmbH hergestellt werden.

An dem Schulprojekt waren fächerübergreifend einige Kurse beteiligt, die sich entweder aktiv oder auch theoretisch mit dem Bau und der Idee eines Wasserkraftwerks in Lollar am Buderuswehr beschäftigt hatten. Es ging uns auch darum, den Schülerinnen und Schülern einen Einblick in unternehmerische, arbeitstechnische und verwaltungspolitische Abläufe zu geben, damit sie den Weg von einer Idee bis hin zur Umsetzung einer fertigen Anlage nachvollziehen konnten. Mit der kompetenten Unterstützung von Dr. Ronald Steinhoff und seinem Mitarbeiter Dipl. Ing. Max Friedrich von der Steinhoff Energieanlagen GmbH konnten sich die Schülerinnen und Schüler mit dem Projekt vertraut machen. Obwohl der praktische Anteil an der Umsetzung des Projekts dominierte, so konnten doch auch Kompetenzen und Kenntnisse erlangt werden, die sich auf andere Berufsfelder bezogen. Im Fokus standen die Fächer Physik (Technik eines Wasserkraftwerks mit Turbine. Kurs 12 Q-Phase), Politik und Wirtschaft (Politische Durchsetzung von ökologischen Vorhaben. Müssen Ökologie und Ökonomie im Widerspruch zueinander stehen? – Orientierungskurs E-Phase 11), und Kunst (Gestaltung des Umfelds einer regenerativen Anlage. Künstlerische Akzente für die Kanuschleuse. Farbgebung der Anlage. Leistungskurs Kunst 12 und Graphik-Design-Kurs 10).

Spezielle Schleuse für kleine Fische und Boote

 

 

Der sogenannte Fisch- und Kanupass  sollte auf einer Länge von 45.00 m und einer Höhe von durchschnittlich 1.25 m an seiner uferseitigen Mauer bemalt werden. Über die schmale Wasserstraße direkt am Ufer werden zukünftig kleinere Boote und flussaufwärts wandernde Fische das Wehr umgehen. Das dürfte nicht nur Naturschützer freuen, sondern auch Tausende Wassersportler, die ihre Boote nicht mehr über Land tragen müssen.

Das Konzept des Schülerteams der Clemens-Brentano-Europaschule sah für die Bemalung der Kanuschleuse am Wasserkraftwerk Lollar eine besondere Variante vor. Man entschied sich für ein einheitliches, serielles Gestaltungsprinzip, eine Variante, die von den üblichen Bemalungen solcher Anlagen abweicht. Es sollte kein Abbild einer naiven Flusslandschaft entstehen, die die Natur und Wasserwelt nur karikierend abbildet, in der Fische oder kleine Enten, Steckdosen oder Sumpfgräser auftragen wurden, sondern eine Struktur entstehen, die das Wasser in den Fokus stellt und seine Fließrichtung aufnimmt und mit technischen Werten versehen auf den Ausgangs- und Zielpunkt der Lahn hinweist. Es sollte eine klare, eine nüchterne Atmosphäre geschaffen und nur die nötigsten Informationen angeben werden. Die stilisierten Wellen in dem ausgewählten Entwurf geben die Richtung des Wasserverlaufs wieder und sollen perspektivisch auf die Mündung der Lahn in den Rhein, zumindest aber auf die nächste Etappe der Kanufahrer am Fluss – Gießen - hinweisen. Das Aussteigen aus dem Kanu, aber auch das Durchfahren durch den Pass erfordert höchste Konzentration. Die Bemalung darf also nicht davon ablenken, damit man das Kanu sicher durch die Schleuse lenkt oder ziehen kann. Die Wand konnte deshalb nicht auf besonders prägnante Zeichnungen setzen, sondern musste eher sachlich und nüchtern gestaltet sein.

Das Spannungsverhältnis zwischen Ökonomie und Ökologie ist ein Kernthema des Unterrichts in der Einführungsphase 11 II des Faches Politik und Wirtschaft. In diesem Kontext setzt man sich eigentlich allgemein mit den regenerativen Energiequellen auseinander, dieses Mal wurde konkret die Wasserkraftanlage in Lollar als Anschauungsmodell herangezogen. Ein Schülerteam hat eine Präsentation zum Thema Wasserkraft erstellt und im Plenum vorgestellt. Besonders wurde hier auf die kleineren Anlagen, wie die in Lollar am Buderuswehr abgezielt. Die SchülerInnnen sind dabei zu der Erkenntnis gelangt, dass man die Energieproduktion dezentralisieren sollte, um auch die vorhandenen Ressourcen vor Ort besser nutzen zu können. Herr Dr. Ronald Steinhoff und Dipl. Ing. Max Friedrich wurden zu einem Referat eingeladen, um die Lollarer Anlage im Detail zu erklären. Interessant waren nicht nur die technischen Details der Anlage, sondern vor allem die Vita von Dipl. Ing. Max Friedrich, der nach dem Abitur zur Bundeswehr, dann nach Namibia zu einem Auslandsaufenthalt und nach einem Maschinenbaustudium zur Firma Steinhoff Energieanlagern GmbH stieß, weil er gerne nachhaltige Projekte mit entwickeln wollte. Die ist ihm mit seiner Firma in Lollar am Buderuswehr eindrucksvoll gelungen. Vor allem der berufliche Weg des Gastes war von großer Bedeutung für die Schülerinnen und Schüler, zumal sie eine Woche später selbst zu ihren Berufspraktika ausschwärmten. „Vor- und direkt nach dem Abitur wusste ich überhaupt noch nicht was werden wollte. Ich benötigte noch etwas Zeit, wusste aber, dass ich Projektarbeit machen wollte. Gut organisieren konnte ich in meiner Zeit in Namibia lernen. Meine damalige Freundin und heutige Frau war dann der Grund, weshalb ich in Gießen studierte. Dort habe ich während eines Vortrags in der Technischen Hochschule Gießen Herrn Dr. Ronald Steinhoff kennengelernt und ihm mein Interesse an seinem Firmeninhalt bekundet. Ein halbes Jahr später war ich ein Teil des Teams“.

Im Physikunterricht wurde die Wirkungsweise einer Turbine zum Unterrichtsgegenstand gemacht. Die Anlage am Buderuswehr arbeitet mit zwei Francis-Turbinen. Einer kleinen und einer großen. Zum Unterricht wurde Herr Dipl. Ing. Max Friedrich eingeladen, der die technischen Details erklärte. Es werden mit der Anlage etwa 10% der Haushalte Lollars mit Strom versorgt. Die Anlage ist seit 2018 in Betrieb.

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Am 13. November 2018 konnten nun die Arbeiten mit einer Begehung abgeschlossen werden. Hierbei überreichte Herr Dr. Ronald Steinhoff und Dipl. Ing. Max Friedrich ein kleines „Dankeschön“ an die Kursvertreter. Die Spende geht an den Kreis der Freunde der Clemens-Brentano-Europaschule und wird den AbiturientInnen der Jahrgänge 2019 und 2020 zu Gute kommen. 

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