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Besuch des Klosters Lorsch, UNESCO - Weltkulturerbe

IMG 6934Vor Kolumbus´ Reisen über den Ozean gab es in Europa weder Kartoffeln noch Tomaten.
Und nicht nur DAS erfuhren die Schülerinnen und Schüler der 6. Klassen der Eingangsstufe Sek I aus Lollar während ihres Besuchs der UNESCO-Weltkulturstätte Kloster Lorsch und des archäologischen Freilichtlabors Lauresham.

Klassenfahrt zur Starkenburg bei Heppenheim, für 4 Nächte auf einer richtigen Burg sein - wie cool!

Die Schülerinnen und Schüler sechsten Klassen der Eingangsstufe mussten während ihres Aufenthalts auf der Starkenburg so Einiges lernen.
Hoch über der Rheinebene, eingebettet in sanfte Weinberge, liegt die Starkenburg über dem Städtchen Heppenheim an der Bergstraße. Der Ausblick auf die Rheinebene bis nach Frankreich und die Lage im Odenwald sind wirklich beeindruckend. Doch die Wege runter in das Städtchen Heppenheim und zurück sind "grausam".

Die Starkenburg ist eine Höhenburg auf 295 m ü. NN auf dem sogenannten Schlossberg oberhalb von Heppenheim an der Bergstraße.

Um die Starkenburg herum soll eine Weiße Frau geistern, die aus Trauer um ihren bei der Verteidigung der Burg gefallenen Gemahl noch heute jammernd und wehklagend durch die Umgebung der Burg streift. Sie erscheint angeblich meist kurz nach Sonnenaufgang als weiße, nebelhafte Gestalt.

Doch am abendlichen Lagerfeuer der CBES-Schüler wurde sie von manchen auch gegen Mitternacht gesehen. Und diese Geschichte, Leute, ist real - nicht virtuell! Da muss eine junge Seele von heute erst einmal mit umzugehen lernen! Echt echt? Oh Manno!


Die Geschichte der Starkenburg umfasst alle historischen Epochen von Mittelalter über frühe Neuzeit, 19. und 20. Jahrhundert bis in die Zeitgeschichte. Viele Herren der Starkenburg hatten zudem europaweit Einfluss.
Im Dreißigjährigen Krieg war die Starkenburg häufiger Schauplatz von Konflikten, bei denen viele Menschen starben. Die Burg, welche zunächst von Herren der protestantischen Kurpfalz erobert wurde, fiel bald in die Hände der kaiserlichen Truppen der Spanier. 1631 eroberte sie der Schwedenkönig Gustav Adolf, welcher 1634 von kaiserlich-bayrischen Heeren vertrieben wurde. Ab dem 18. Jahrhundert verloren Burgen ihre militärisch-strategische Bedeutung und die Starkenburg wurde, wie andere Abbruchruinen, zum Sinnbild der Romantik. In der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts trafen sich dort Studenten, Maler und Schriftsteller.

Im Jahre 1065 war mit der Errichtung der Starkenburg ein neues Kapitel in der Geschichte des Raumes Bergstraße aufgeschlagen worden. Die Umstände, die zu ihrem Bau führten, beruhten letztlich auch auf dem Erfolg und der Bedeutung des Reichsklosters Lorsch. Kaiser Heinrich III. war im Jahre 1056 im Alter von nur 38 Jahren gestorben. Heinrich IV., sein erst 6-jähriger Sohn, trat die Thronfolge an, stand aber zunächst unter der Vormundschaft des von den Fürsten unterstützten Erzbischofs Anno II. von Köln, der dadurch die Regentschaft übernehmen und kaiserliches Vermögen verschleudern konnte. Da ergriff der hochgebildete und befähigte, aber auch machtbewusste und ehrgeizige Erzbischof Adalbert von Bremen die Fahne des Kaisers und gewann großen Einfluss auf ihn. Heinrich belohnte Adalbert dafür mit reichen Geschenken.

Die Burg wurde also im Jahre 1065 zum Schutz des Klosters Lorsch errichtet. Zuerst lautete der Name Burcheldon. Der Name Starkimberg wurde erstmals 1206 erwähnt. In der wechselvollen Geschichte des Klosters bot die Burg stets Zuflucht und Schutz für die Mönche.

IMG 6723Um zum Kloster Lorsch zu gelangen, hieß es zu Fuß von der Starkenburg zum Bahnhof Heppenheim wandern, eine Herausforderung! Zunächst eine halbe Stunde bergab in die Stadt, Freilichtlabor Lauresham nochmal ca 1/2 km bis zum Bahnhof. Dann mit dem Zug nach Bensheim, umsteigen, Zugfahrt nach Lorsch und dann zur Lorscher Königs- oder Torhalle, einem der besterhaltenen Bauwerke aus karolingischer Zeit. Mittelalterliche Quellen geben uns jedoch leider keine Auskunft über deren einstige Funktion. Diese Torhalle hat jedoch den Niedergang des Klosters und die Wirren der Geschichte nahezu unbeschadet überstanden. Die einzigartige Fassadengestaltung in ihrem Farbspiel in römisch-antiker Mauertechnik beeindruckt. Roter Buntsandstein und weißer Kalk- bzw. Sandstein lassen wunderbare Muster entstehen, die wir heute noch bewundern.

Weiter ging es bis zum Freilichtlabor Lauresham.
Dabei handelt es sich um das 1:1 Modell eines karolingerzeitlichen Herrenhofs (um 800 n. Chr.), die idealtypische Rekonstruktion eines großen mittelalterlichen Zentralhofs. Zwischen 2012 und 2014 entstand hier unter wissenschaftlicher Begleitung ein Ensemble aus verschiedenen Wirtschafts-, Wohn- und Stallbauten. Pflanzen, Tiere - alles wurde möglichst nach dem historisch hergeleiteten Wissen zusammengestellt. In Lauresham sollte ein anschauliches Bild dessen nachgezeichnet werden, was vor 1200 Jahren technologisch und regionalspezifisch möglich gewesen ist.

Die Themen Grundherrschaft, Leibeigenschaft, Frondienst werden hier den neugierigen Besuchern lebhaft dargestellt.
Den Besuchern dieses Freilichtlabors wird auch der Garten mit den früher üblichen Gemüsesorten gezeigt.
Auf die Frage, was es denn früher noch nicht zu essen gab, aber heute fast jeden Tag gegessen wird, gelangten unsere Schüler schließlich zu der Feststellung: Pommes!
Chapeau! Kolumbus brachte sie mit, die Kartoffel! Nun ja, und so ist die Schlussfolgerung "Pommes" doch genau richtig!

Nun sage mal jemand, man solle daheim bleiben und den Spruch ignorieren: Reisen bildet!

Wir haben auf jeden Fall das Gegenteil erlebt: Wissbegierige Schülerinnen und Schüler, die mit offenen Mündern und Ohren den Ausführungen über das Mittelalter folgten, Fragen stellten und in ihrer Phantasie für knapp zwei Stunden im Mittelalter lebten... irgendwie ein bisschen wie in der virtuellen Welt. "Cool!"

Das Kloster Lorsch, ein UNESCO-Weltkulturerbe. Zeuge aus alter Zeit.
Die CBES, eine ganz und gar moderne UNESCO-Schule - mit Kindern von heute!

Astrid Patzak-Schmidt

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